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New-Work-Konzepte: Den Menschen im Fokus

In der Arbeitswelt gibt es eine Neuausrichtung: Wohin die geht und wie New-Work-Konzepte umgesetzt werden können, verrät Coach Daniel Spierer, Gründer von Ruhe&Pol.
Veröffentlicht am 25.10.2021
Ruhe&Pol sind Daniel Spierer und seine Frau Anne.
Daniel Spierer und seine Frau Anne. (C) Sabine Schulte

 

Während der kürzlich ausgetragenen Augsburger HR Coffee Lounge kam ein spannender Gedanke auf: HR steht bekanntlich und laut diverser Suchmaschinen Human Ressource. „Im Konzept New Work ist das aber anders: Da steht HR für Human Relations“, erklärte Daniel Spierer. Was er damit meint, erklärt der Geschäftsführer von Ruhe&Pol im Interview.

Daniel, dein Konzept lautet „New Work needs inner Work“. Was bedeutet das?

Daniel Spierer: Viele Unternehmen sind gerade mitten drin, sich neu zu strukturieren und ihre Unternehmenskultur neu zu gestalten. Es geht um digitale Transformation, agile Transformation und es geht auch um die Menschen, die diesen Umbruch möglich machen.

Damit New Work funktionieren kann, reicht es eben nicht, die alten und verkrusteten Strukturen zu erneuern. Damit eine Neuausrichtung umsetzbar wird, muss auch die eigenen innere Haltung angepasst werden: Nur so können alle Kollegen auf Augenhöhe gemeinsam in eine neue gesunde Zukunft gehen.

Womit beginnt man diese Neuausrichtung am besten?

Daniel: Zunächst ist es wichtig zu definieren, wo ich gerade stehe. Das ist wie eine Inventur: Das kann ich, das hab ich, das bin ich. Sehr oft muss ich erst einmal auch Altes loslassen, um neue Wege zu gehen. Im nächsten Schritt ist es dann hilfreich, die eigene Vision und mein „Warum“ herauszuarbeiten: Wo möchte ich hin? Was ist mir wirklich wichtig in meinem Leben und als Unternehmer in meinem Unternehmen? Und wo möchte ich in fünf, zehn, zwanzig Jahren stehen? Diese Fragen gilt es zu beantworten und die Ergebnisse zu visualisieren, um sie dann Stück für Stück umzusetzen. So gelangt man dann in die Verwirklichungsphase.

Wie kann man das konkret umsetzen?

Daniel: Nehmen wir an, mein persönliches Ziel wäre, mich beruflich ins Ausland zu entwickeln - nach Italien zum Beispiel. Dann würde ich den ersten Schritt der Umsetzung mit der Sprache beginnen: Wer jeden Tag vier Minuten in Vokabeln investiert, hat nach einem Jahr ganze 24 Stunden seiner Zeit für eine neue Sprache investiert. Diese Rechnung zeigt auch umgekehrt Wirkung: Wer jeden Tag vier Minuten etwas „Unwichtiges“ weglässt, hat sich nach einem Jahr 24 Stunden Freiraum geschaffen für etwas Neues.

Und wie können Unternehmen das Konzept „New Work needs inner Work“ umsetzen?

Daniel: Um ein New-Work-Konzept umzusetzen, müssen erstmal alte Strukturen und Prozesse analysiert und aufgebrochen werden. Hier kommt HR als Human Relations ins Spiel: Der Mensch steht im Fokus. Es geht dabei zum Beispiel um einen stärkeorientierten Einsatz von Mitarbeitern. Mit den „Relations“ meine ich aber nicht nur die Beziehungen zwischen den Kollegen: Die Unternehmenskultur muss sich dahingehend entwickeln, dass die Unternehmenswerte nicht nur auf Powerpoint-Folien festgehalten, sondern auch im täglichen Miteinander gelebt werden.

Haben Sie Tipps, wie Augsburger Unternehmen diese New-Work-Konzepte umsetzen können?

Daniel: Es gibt verschiedene Ansätze, von denen ich aktuell den Gesundheitsbereich als sehr wichtig empfinde: Wir dürfen die Gesundheitspolitik neu ausrichten: weg von der berichtenden Art hin zum präventiven Handeln. Dabei wird die mentale Gesundheit immer bedeutender. Das kann zum Beispiel mit neuen und zeitgemäßen Workshop- und Seminarformaten für die Mitarbeiter umgesetzt werden. Es gibt für die Umsetzung der New-Work-Konzepte aber kein Patentrezept, das muss individuell für jedes Unternehmen angepasst werden. Die Bereitschaft dazu muss immer von beiden Seiten kommen, von Mitarbeitern und Unternehmensführung. Aber grundsätzlich gilt: Ohne gesunde Mitarbeiter kein gesundes Unternehmen.