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09.04.2024

Kita-Krise: Herausforderungen für berufstätige Eltern

Das deutsche Kitasystem steht kurz vor dem Kollaps. Die Bemühungen der Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte waren halbherzig und erfolgslos. Die nötigen Vorbereitungen und Investitionen, um die Kindertagestätten zu reformieren, blieben aus. Darunter leiden in erster Linie die Kinder sowie auch die berufstätigen Eltern. Die Kita-Krise macht es ihnen unmöglich, sich auf das System, dass ihre Kinder behüten soll, zu verlassen. Immer wieder müssen sie spontan Kita-Schließungen auffangen und ihre Arbeitszeit danach richten. Das erschafft Stresssituationen, denen die Elternteile kaum gerecht werden können und die – im schlimmsten Fall – das Betriebsklima beeinflussen.

Kita-Krise: 20.000 unbesetzte Stellen in bayerischen Kitas

Ein Problem, das fast alle Kitas in ganz Bayern haben: Fast 20.000 unbesetzte Stellen für Fach- und Ergänzungskräfte in der Kinderbetreuung gibt es aktuell. Familien, die einen Platz bekommen haben, müssen zum Beispiel bei Krankheitswellen stets damit rechnen, dass die Kita anfragt, ob das Kind zuhause bleiben, früher abgeholt oder später gebracht werden könne. Auf diese Weise versuchen die Kindertagestätten, eine gesamtheitliche Schließung oder reduzierte Öffnungszeiten zu vermeiden. Leidtragende dieser flexiblen Umgangsweise mit der Kita-Krise bleiben allerdings die Eltern, die ihren Tag danach strukturieren müssen.

Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2023 zeigt: Mehr als die Hälfte der berufstätigen Eltern, deren Kinder eine Kita oder Tagespflege besuchen, hat in den vergangenen drei Monaten erlebt, dass eine Einrichtung wegen Personalmangels geschlossen oder nur verkürzt geöffnet wurde. Ein Großteil der Eltern gibt an, durch die Schließungen belastet zu sein, ein Drittel hat wegen der Umstände die eigene Berufstätigkeit reduziert. Es wird von einer starken Diskrepanz gesprochen, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht. Damit bestätigen erstmals Daten, wie stark sich der Personalmangel in der Kita-Landschaft inzwischen im Alltag von berufstätigen Familien niederschlägt.

Vor diesen wirtschaftlichen Herausforderungen stehen berufstätige Familien

Laut der Befragung glichen Eltern den Betreuungsausfall größtenteils durch eigene Ressourcen aus, indem sie Überstunden abbauten oder Urlaub nahmen. Fast die Hälfte der betroffenen Eltern konnte außerdem auf Verwandte oder Freunde zurückgreifen, während nur fünf Prozent eine private Betreuung engagierten. Der Befund des WSI deckt sich mit Angaben des Deutschen Kitaverbands. Demnach sind 69 Prozent der Kitas dazu übergegangen, Personalmangel durch reduzierte Öffnungszeiten auszugleichen. In den Einrichtungen werden pädagogische Angebote wie Ausflüge oder Sport reduziert, weshalb der Mangel also auch die Bildung der Kinder beeinträchtigt.

Dass ein Drittel der betroffenen Eltern sich dazu gezwungen sieht, die eigene Arbeitszeit zu reduzieren, hat gesamtwirtschaftliche Folgen: Auf dem Arbeitsmarkt verringere sich das Fachkräfteangebot weiter. Die Vereinbarkeit von Berufsleben und Familiengestaltung zu gewährleisten und zu verbessern, ist ein erklärtes Ziel der Bundesregierung. Insbesondere berufstätige Mütter sollen gefördert werden, in größerem Umfang erwerbstätig zu sein.

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