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Person, die im Schal und einer Tasse und Wärmeflasche in den Händen und sich offensichtlich krank fühlt, vor ihrem Schreibtisch mit Laptop sitzt.(C) VMM

26.01.2026 Diana Schneider

Krank zur Arbeit gehen – Toxisches Mindset, sich nie krankzuschreiben

„Ich war seit über einem Jahr nicht krankgeschrieben!“ Kommt solch ein Kommentar bekannt vor? Statt sich eine Krankschreibung einzuholen und sich auszukurieren, wird trotz physischer und/oder psychischer Einschränkungen wie gewohnt weitergearbeitet. So gab eine Untersuchung im Jahr 2024 des Deutschen Gewerkschaftsbundes an, dass fast zwei Drittel (63 Prozent) an mindestens einem Tag trotz starker Krankheit arbeiten gegangen sind. Doch warum besteht der Glaubenssatz, niemals am Arbeitsplatz fehlen zu dürfen, seit Generationen, auch wenn es berechtigte Gründe für eine Krankmeldung gibt? Und wie ist ein Entkommen dieses toxischen Gedankenguts möglich?

Das Problem des Präsentismus

Trotz Krankheit am Arbeitsplatz zu erscheinen, nennt man auch „Präsentismus”. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Ein zentraler Faktor ist für viele die Angst vor dem Jobverlust und der Ersetzbarkeit. In Zeiten, in denen sich die Arbeitswelt konstant wandelt, Personalmangel jede Branche betrifft und befristete Verträge immer häufiger werden, ist diese Sorge größer denn je. Beschäftigte fühlen sich ersetzbar und glauben, sie dürfen keine Schwäche zeigen. Dies führt dazu, dass Krankheiten als mangelnde Belastbarkeit angesehen werden und nicht als legitimer Grund, zu Hause zu bleiben.

Zusätzlich tritt bei vielen das sogenannte „Sick Guilt“ auf. Der Begriff bezieht sich auf die Schuldgefühle, die entstehen, da man scheinbar das Team im Stich lässt und die eigene Arbeit auf Kolleg:innen eventuell abfällt. Das schlechte Gewissen hindert daran, sich krankzuschreiben und führt ebenfalls zum Präsentismus.

Allerdings kann die Erwartungshaltung, trotz Erkrankung zur Arbeit zu kommen, auch von sich selbst ausgehen. Meistens wurzelt diese in hohen Ansprüchen an die eigene Leistungsfähigkeit und einem ausgeprägten Pflichtgefühl zum Job oder Unternehmen. Zudem kann die Angst vor dem Rückstau der Arbeit und der Überforderung auftreten, die Arbeitnehmende daran hindert, sich in Krankheitsfällen eine Auszeit zu gönnen.

Verantwortung bei Arbeitgebenden

Schränkt eine Krankheit das eigene Wohlergehen aktiv ein und beeinträchtigt die produktive Leistungsfähigkeit, ist es nicht sinnvoll, zur Arbeit zu erscheinen. Zum einen wird so die eigene Gesundheit weiter gefährdet und die Chance auf eine schnellere Genesung stark reduziert. So kann sich beispielsweise eine mittelstarke Erkältung über Wochen verschleppen, statt innerhalb von zwei bis drei Tagen auskuriert zu werden. Dies beeinträchtigt die Arbeitsfähigkeit um einiges mehr als ein paar Tage im Verzug zu sein. Zudem erhöht sich das Risiko, Kolleg:innen anzustecken und eine Krankheitswelle auszulösen. Demnach sind die Mitarbeitenden zwar anwesend, aber nicht voll leistungsfähig. Als Arbeitgebende ist es hier entscheidend, den Arbeitnehmenden ein Gefühl von Sicherheit, Bestätigung und Wertschätzung zu übermitteln. Herrscht nämlich ein sicheres Unternehmensklima, können sich Beschäftigte eher „trauen“, sich die nötige Krankschreibung einzuholen. So können sie sich in Ruhe auskurieren und anschließend motiviert und leistungsfähig weiterarbeiten.

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