(C) VMM18.02.2026 ● Diana Schneider
Universitärer Abschluss aber keine Berufserfahrung: was nun?
Der Studienabschluss ist geschafft. Das Zeugnis ist endlich in der Hand. Und trotzdem kommt eine Absage nach der anderen? Viele Absolventen stehen vor genau diesem Problem, denn alle Stellenanzeigen verlangen Berufserfahrung und genau diese fehlt. Was zunächst wie ein persönliches Versagen wirkt, ist in Wahrheit ein verbreitetes strukturelles Problem. Der Übergang vom Studium in den Beruf gehört zu den größten Unsicherheitsphasen einer akademischen Laufbahn.
Zu viel Theorie und zu wenig Praxis
Während früher ein Studium das Ticket in die Berufswelt garantierte, sieht die Sache mittlerweile ganz anders aus. Heute wollen Arbeitgebende praktische Erfahrung von ihren Bewerbenden. Allerdings ist diese nur schwer zu erlangen, da zum einen die meisten Studiengänge sehr theorielastig sind und zum anderen Nebenjobs in der jeweiligen Branche nicht immer so einfach zu ergattern sind. Die Folge davon ist, dass viele Absolventen am Ende mit einem erfolgreichen Abschluss, aber ohne Berufserfahrung dastehen und so nur schwer eine passende Anstellung finden. Oft dauert der Einstieg in den Arbeitsmarkt bis zu einem Jahr, wobei Arbeitssuchende besonders im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) mit vermehrten Schwierigkeiten konfrontiert sind.
Wege nach dem Abschluss Berufserfahrung zu sammeln
Selbst wenn die Praxiserfahrung während dem Studium nicht vorhanden war, kann diese nachgeholt werden. Auch nach dem Abschluss bieten sich Praktika an, um Einblicke in die Abläufe und den Alltag zu bekommen und nebenbei Arbeitserfahrung zu sammeln. Ähnliches gilt für befristete Projektstellen oder Einstiegspositionen, die zeitlich begrenzt sind und doch als ein optimales Sprungbrett dienen. Traineeprogramme ermöglichen es Absolventen ebenfalls, verschiedene Unternehmensbereiche kennenzulernen, praktische Fähigkeiten auszubauen und ein klareres Berufsprofil zu entwickeln. Eine optimale Option, auf solche Stellen zu stoßen, findet sich durch Networking – sei es persönlich oder digital. Berufliche Kontakte können das ein oder andere Tor für Einsteiger eröffnen.
Bewerbungsstrategien für Einsteiger
Auch wenn keine jahrelange Berufserfahrung vorhanden ist, ist es möglich eine Anstellung zu finden. Wichtig ist dabei, den Fokus in der Bewerbung anders zu legen. Das Auflisten der Schwerpunkte in den Studieninhalten, Wahlmodulen und Abschlussarbeiten ist ein optimaler Weg zu zeigen, in welchen Teilbereichen bereits fundiertes Fachwissen vorhanden ist. Außerdem sind persönliche Fähigkeiten – die sogenannten Soft Skills – nicht zu unterschätzen. Teamfähigkeit, Organisationsstärke und Kommunikationsvermögen lassen sich beispielsweise durch Gruppenprojekte, Präsentationen oder andere Minijob-Erfahrungen nachweisen. Auch der Fakt, dass das Studium beendet worden ist, zeugt vom Können, langzeitig an einer Sache tätig zu sein. Das kommt bei potenziellen Arbeitgebenden gut an. Initiativbewerbungen können sich ebenfalls lohnen. Sie signalisieren nämlich Interesse, Eigenmotivation und Engagement, was Bewerbende aus der Masse herausstechen lässt. Und gerade wollen Einsteiger:innen erreichen.
Die Hauptsache ist, den Kopf nicht hängen zu lassen und aktiv zu suchen. Vielleicht wird die erste Anstellung nicht direkt der Traumjob, aber jede gesammelte Berufserfahrung ist ein Schritt in diese Richtung.


