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Tierpflegerin Joana Müller mit Katze auf dem Arm.(C) VMM

09.02.2026 Diana Schneider

Hinter den Kulissen des Tierheims: Im Gespräch mit einer Tierpflegerin

Seit über 13 Jahren ist Joana Müller im Tierheim Augsburg als Tierpflegerin tätig. Anders als viele glauben, besteht dieser Beruf mehr als aus nur Streicheleinheiten und entspannten Spaziergängen mit den Hunden. In einem Interview gibt Joana Einblicke in ihren Berufsalltag und erzählt von ihrem Werdegang sowie den besonderen Herausforderungen ihrer Arbeit.

Wie sind Sie zu Ihrer Arbeit im Tierheim gekommen?

Angefangen habe ich hier mit einem Praktikum, woraufhin ich von 2013 bis 2016 die Ausbildung zur Tierpflegerin mit der Fachrichtung Tierheim und Tierpension gemacht habe. Nach der Ausbildung wurde ich übernommen und bin seitdem hier tätig. Ich bin sozusagen hineingerutscht und geblieben. Die Arbeit hat mir von Anfang an Spaß gemacht.

Wie läuft ein gewöhnlicher Arbeitstag im Tierheim ab?

Der Tag beginnt morgens mit einem Rundgang durch den jeweiligen Zuständigkeitsbereich. Ich bin zum Beispiel bei den Katzen eingeteilt. Zuerst kontrolliere ich, ob es allen Tieren gut geht. Danach folgen die Fütterung und Medikamentenausgabe. Ein großer Teil des Vormittags besteht aus Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten. Im Tierheim müssen strenge Hygienevorhaben eingehalten werden. Im weiteren Verlauf des Tages stehen Tierarzttermine, Kastrationen oder Fahrten zu externen Tierarztpraxen an. Zudem sind die Vorbereitung der Räume für neue Tiere sowie natürlich die Tierpflege, Vermittlungsgespräche, Kundenkontakt und organisatorische Aufgaben Teil des Alltags. Zum Tierpfleger:in-Beruf gehört also viel mehr dazu, als die Tiere zu streicheln und mit ihnen zu spielen. Das machen tatsächlich hauptsächlich die ehrenamtlichen Aushilfen.

Wie kann man Tierpfleger:in werden und welche Voraussetzungen muss man mitbringen?

Der Tierpfleger:in-Beruf ist ein anerkannter Ausbildungsberuf, der abwechselnd aus praktischer Arbeit im Betrieb und Blockunterricht an der Berufsschule besteht. Bei der Ausbildung gibt es unterschiedliche Fachrichtungen: Tierheim/Tierpension, Forschung/Klinik und Zoo. Grundsätzlich gilt, dass man physisch und psychisch belastbar sein sollte, wenn der Beruf als Tierpfleger:in in Erwägung gezogen wird. Die Arbeit ist nämlich nicht nur körperlich anstrengend, sondern kann auch emotional fordernd sein. Miteinher gehen Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit und ein rücksichtsvoller Umgang mit Mensch und Tier.

Was sind die größten Herausforderungen im Berufsalltag?

Die größte Herausforderung sind nicht die Tiere, sondern die Menschen. Das betrifft sowohl traurige Situationen, in denen Tiere aus persönlichen Notlagen abgegeben werden, als auch Fälle von schlechter Haltung oder Aussetzung. Man muss lernen, emotionale Distanz zu wahren und trotzdem empathisch zu bleiben, sonst nimmt einen die Arbeit zu sehr mit.

Welche Momente bleiben besonders in Erinnerung?

Vor allem erfolgreiche Vermittlungen von Tieren, die länger hier waren oder eine schwierige Vorgeschichte haben, hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Aber besonders schön finde ich auch einfach, dass wir den Tieren eine Stimme geben. Wir fangen sie auf, begleiten sie durch schwierige Phasen und bereiten sie auf ein neues Zuhause vor. Dieser Weg von der Aufnahme bis zur erfolgreichen Vermittlung ist das Highlight der Arbeit. Wie gesagt, man steckt ganz viel Herzblut in den Beruf rein, aber genauso viel bekommt man auch zurück. Jeden Abend geht man hier mit einem guten Gefühl raus.

Welchen Appell möchten Sie an Menschen richten, denen Tierwohl wichtig ist?

Ich würde mir generell wünschen, dass Menschen sensibler mit dem Thema Tiere umgehen und sich bewusster machen, welche Verantwortung sie übernehmen. Ein Tier ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein Lebewesen, das oft 15 bis 20 Jahre auf den Menschen angewiesen ist. Dazu gehören nicht nur Mitgefühl, sondern auch Verantwortung, Zeit und Verlässlichkeit. Wer ein Tier adoptieren möchte, sollte sich im Vorfeld ehrlich fragen, ob er dem Tier langfristig gerecht werden kann – finanziell, zeitlich und emotional. Unüberlegte Anschaffungen führen oft dazu, dass Tiere später wieder im Tierheim landen oder sogar ausgesetzt werden.
Gleichzeitig gibt es viele Möglichkeiten, sich für den Tierschutz einzusetzen, auch ohne selbst ein Tier aufzunehmen. Ehrenamtliche Unterstützung ist für Tierheime enorm wichtig, sei es beim Gassigehen, bei der Pflege von Tieren, bei organisatorischen Aufgaben oder bei Spendenaktionen. Diese Hilfe trägt wesentlich dazu bei, den Tieren mehr Aufmerksamkeit, Beschäftigung und Stabilität zu geben. Jeder Beitrag, egal in welcher Form, kann das Leben der Tiere spürbar verbessern.

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