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(C) Mona Schafitel

05.04.2022 Ilaria Wollek

Außergewöhnliche Berufe in Augsburg: Eine Kunsttherapeutin berichtet

Den Stift in die Hand nehmen und einfach drauflos malen – das hat für viele Menschen eine besondere therapeutische Wirkung. Mona Schafitel ist Kunsttherapeutin und hilft ihren Patient:innen dabei, sich beim Prozess des Malens und Zeichnens selbst zu heilen. Während ihrer Tätigkeit als Malerin und freischaffende Künstlerin wurde der Augsburgerin irgendwann bewusst, dass sie sich mit ihren Bildern selbst therapieren kann. Nach einem berufsbegleitenden Studium für Kulturpädagogik und Kunsttherapie in München, gründet sie 2006 ihr eigenes Kunsttherapie-Atelier in der Augsburger Innenstadt. Ihr außergewöhnlicher Beruf verbindet Kreativsein mit Therapiearbeit.

Wie sieht der Beruf der Kunsttherapeutin aus?

Zur Kunsttherapie kommen meist Menschen, die an einer chronischen Krankheit leiden oder ein psychisches Problem haben. Vor dem Hintergrund der Diagnose lasse ich die Patient:innen in der ersten Therapiestunde ein freies Bild malen. An der Mal-Art und der Pinselbewegung kann ich dann Tendenzen erkennen, die zum Beispiel kränkend oder stärkend sind. Patient:innen können ihre Schmerzen oder Ängste mit Farben ausdrücken. Wir schauen uns dann gemeinsam das Bild an und ich frage sie: Wo im Bild fühlen Sie sich wohl und wo nicht? Welche Farben darin sprechen Sie an, wo würden Sie sich niederlassen? Es geht schlussendlich darum zu erspüren was guttut, um in diesem Prozess selbstheilend weiterarbeiten zu können.

Welche Ausbildungswege zur Kunsttherapeut:in gibt es?

Inzwischen gibt es viele Fachhochschulen, die das Studienfach Kunsttherapie anbieten. Neben Vollzeit-Studiengängen gibt es berufsbegleitende Studiengänge und auch private Schulen. Letztere bieten jedoch meist nur sehr kurze Kurse an. Hierbei bekommen Studierende oftmals kein richtiges Diplom. Der Begriff des/der Kunsttherapeut:in ist nicht geschützt, weswegen es bei Kunsttherapeuten auch qualitative Unterschiede gibt. Da es ein sehr verantwortungsvoller Beruf ist, rate ich zu einer ausführlichen und seriösen Ausbildung. Bei der Arbeit mit kranken Menschen muss man schließlich wissen, was man tut. Wichtig ist auch, dass Kunsttherpeut:innen für die Eröffnung einer eigenen Praxis eine Zusatzausbildung in der Heilkunde benötigen.

Wie viel Kunst und wie viel Therapiearbeit steckt in diesem außergewöhnlichen Beruf?

Der Umfang sollte jeweils bei 50% liegen. Kunsttherapeut:innen müssen auf jeden Fall künstlerisches Wissen haben, um den Patient:innen beim Malen helfen zu können. Dazu gehört auch ein Verständnis für Farben und technische Fähigkeiten. Die medizinischen und psychologischen Kenntnisse werden dann im Studium erlernt.

Welche Aufgaben übernimmt ein:e Kunsttherpeut:in ?

Vor der Therapiestunde richte ich mein Atelier mit den Farben und verschiedenen Materialien her. Während der Sitzung mache ich mir Notizen und erkunde mich in der ersten Stunde über persönliche und körperliche Probleme. Dann erkläre ich wie die Farben funktionieren und wie der/die Patient:in mit den Farben umgehen kann. Wir sprechen über das aktuelle Befinden, was gerade los ist und an welchem Thema wir langfristig arbeiten möchten. Das führt dann zur nächsten Aufgabe in der Kunsttherapiestunde.

Welche Fähigkeiten sind in der Kunsttherapie gefragt?

Ein Interesse an Menschen und an den psychologischen Hintergründen. Wie entwickelt sich ein Mensch, wie entsteht Krankheit? Es ist wichtig, sich selbst reflektieren zu können und schon eine gewisse Eigentherapie mit der Kunst erlebt zu haben. Auch ein bisschen Lebenserfahrung gehört zu diesem Beruf dazu und natürlich Mitgefühl.

Was ist das Besondere an Ihrer Arbeit?

Besonders schön finde ich an der Kunsttherapie, dass die Patient:innen selber aktiv werden und ich ihnen dabei helfen kann, sich selbst zu therapieren. Für mich persönlich ist es spannend zu sehen, was Menschen gestalten und wie sie sich im Bild erkennen und wahrnehmen. In diesem außergewöhnlichen Beruf geht es nicht um ein bisschen Malerei, sondern darum, die Menschen und ihre Erkrankungen ernst zu nehmen. Im Endeffekt muss man sich immer dieser Verantwortung bewusst sein.

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