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Das Bild zeigt zwei ältere Menschen vor einem laptop. Es steht symbolisch für "Unretirement", den Wiedereinstieg von Rentner:innen ins Arbeitsleben.(C) offsuperphoto, stock.adobe.com

30.06.2026 Diana Schneider

Arbeiten trotz Rente: Das „Unretirement”-Phänomen

Während früher der Übergang in den Ruhestand oft endgültig war, verschwimmen heute die Grenzen zunehmend. Die aktuellen Rentenansprüche sind in vielen Fällen aufgrund des demografischen Wandels nicht mehr ausreichend. Demnach sehen sich viele Rentner:innen gezwungen, trotzdem arbeiten zu gehen. Dieses Phänomen heißt “Unretirement”. Der Begriff umfasst dabei nicht nur die Rückkehr aus der Rente in den Job, sondern auch das bewusste Hinauszögern des Renteneintritts.

Warum viele Menschen trotz Rente weiterarbeiten

Die Gründe für eine solche Rückkehr ins Berufsleben sind unterschiedlich. Für den Großteil der Ruheständler:innen ist die finanzielle Notwendigkeit der ausschlaggebende Faktor. Rund 33 Prozent der Menschen, die nach der Rente weiterarbeiten, tun dies aus wirtschaftlichen Gründen. Die Quote der Armutsgefährdung der über 65-Jährigen liegt laut dem Statistischen Bundesamt bei Frauen bei 65 Prozent und bei Männern bei 17,1 Prozent. Niedrige Rentenzahlungen oder bestehende Schulden können dazu führen, dass die Rente nicht ausreicht. Alleinstehende Menschen, die ihren eigenen Haushalt stemmen müssen, sind ebenfalls oft von diesem Problem betroffen.

Trotzdem arbeiten nur 20 Prozent der Erwerbstätigen mit Rentenanspruch aus pragmatischen Gründen weiter. 29 Prozent hingegen geben an, dass sie aus eigenem Wunsch weiter beschäftigt bleiben. Denn nach jahrzehntelanger Berufstätigkeit fällt es manchen schwer, den Alltag ohne feste Aufgaben und soziale Kontakte zu gestalten. Deswegen fungiert die weitere Beschäftigung auch als Teilhabe im Sozialleben, Anerkennungsquelle und Selbstverwirklichungsmöglichkeit.

Probleme arbeitender Renter:innen

Die Rückkehr in den Arbeitsmarkt ist jedoch nicht immer einfach. Mit zunehmendem Alter können gesundheitliche Einschränkungen die körperliche Belastbarkeit verändern und bestimmte Tätigkeiten erschweren. Besonders in Berufen mit hoher körperlicher Beanspruchung zeigt sich schnell, dass sie sich nur begrenzt bis ins höhere Alter ausüben lassen. Gleichzeitig spielt auch das gesellschaftliche Umfeld eine Rolle. Trotz des anhaltenden Fachkräftemangels halten sich in einigen Unternehmen weiterhin Vorurteile gegenüber älteren Beschäftigten. Ihnen wird mitunter weniger Flexibilität oder geringere Leistungsfähigkeit zugeschrieben. Dies kann dazu führen, dass erfahrene Fachkräfte im Bewerbungsprozess nicht immer die Chancen erhalten, die ihrer Qualifikation eigentlich entsprechen würden.

Hinzu kommt, dass sich die Arbeitswelt in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Digitale Prozesse, neue Software und moderne Arbeitsmethoden verändern zahlreiche Berufe in kurzer Zeit. Wer länger nicht beruflich aktiv war, muss sich also häufig erst wieder an neue technische Anforderungen anpassen. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen tragen nicht immer zur Vereinfachung bei. In manchen Fällen führen veränderte Rentenansprüche oder eine höhere steuerliche Belastung durch zusätzliches Einkommen dazu, dass sich eine Weiterbeschäftigung wirtschaftlich weniger lohnt, als man zunächst erwarten würde.

Arbeiten nach der Rente attraktiver gestalten

Viele wünschen sich eine grundlegende Rentenreform. Bis dahin können Unternehmen helfen, das Arbeiten trotz Rente attraktiver zu gestalten. Eine wichtige Rolle spielt die Gesundheitsförderung. Präventive medizinische Angebote, ergonomische Arbeitsplätze und flexible Arbeitsmodelle können dazu beitragen, die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmender länger zu erhalten. Ebenso entscheidend sind finanzielle Anreize. Wer freiwillig länger arbeitet, sollte davon wirtschaftlich profitieren. Vereinfachte steuerliche Regelungen oder höhere Hinzuverdienstmöglichkeiten könnten die Kombination aus Rente und Arbeit attraktiver machen.

Darüber hinaus gewinnen Weiterbildungsangebote zunehmend an Bedeutung. Schulungen und Training direkt im Job helfen älteren Beschäftigten dabei, mit technologischen Entwicklungen Schritt zu halten und ihre Kompetenzen aktuell zu halten. Auch sind Unternehmen selbst gefragt, der Altersdiskriminierung aktiv entgegenzuwirken. Eine Unternehmenskultur, die Erfahrung wertschätzt und generationenübergreifende Zusammenarbeit fördert, kann dazu beitragen, ältere Fachkräfte langfristig einzubinden.

Vorteile von arbeitenden Renter:innen

Für Unternehmen bietet die Beschäftigung älterer Mitarbeiter zahlreiche Vorteile. Menschen mit langer Berufserfahrung verfügen häufig über umfangreiches organisatorisches, fachliches und zwischenmenschliches Wissen. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel kann dieses Know-how einen wichtigen Wettbewerbsvorteil darstellen.

Ältere Arbeitnehmende eignen sich zudem besonders gut als Coaches, Mentor:innen oder Trainer:innen für jüngere Kolleg:innen. Sie können Wissen weitergeben, neue Teammitglieder einarbeiten und zur Stabilität der Belegschaft beitragen. Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Generationen wirkt sich außerdem oft positiv auf die Arbeitskultur aus. Teams mit jüngeren und älteren Beschäftigten verbinden neue Ideen mit Erfahrung und fördern dadurch Innovation und Zusammenhalt gleichermaßen.

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