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Die Illustration zeigt einen Dieb mit einer Uhr, was symbolisch für Arbeitszeitbetrug steht.(C) B Design, stock.adobe.com

14.04.2026 Diana Schneider

Arbeitszeitbetrug im Homeoffice – Mythos oder echtes Problem?

Kurz eine Ladung Wäsche einwerfen, einen Arzttermin vereinbaren, die Spülmaschine ausleeren und vielleicht noch ein schneller Abstecher in den naheliegenden Supermarkt: Was sich wie ein produktiver Vormittag anhört, kann ganz schnell als „Arbeitszeitbetrug” gewertet werden. Gerade im Homeoffice, wo die Freiheit groß und die Kontrolle gering ist, führt das immer wieder zu Diskussionen, weshalb dieses Arbeitskonzept nach wie vor ein stark umstritten ist. Arbeitnehmende lieben es, Arbeitgebende eher weniger. Für das Arbeiten von zuhause aus sprechen Gründe wie eine bessere Work-Life-Balance, mehr Komfort durch die entfallende Anreisezeit und laut Selbsteinschätzungen mehr Produktivität. Die Hauptsorge bei den Gegner:innen des Homeoffice auf der arbeitgebenden Seite ist hingegen Arbeitszeitbetrug, der sich in den meisten Fällen nur schwer nachweisen lässt.

Definition und Gründe für Arbeitszeitbetrug

Unter Arbeitszeitbetrug versteht man die bewusste Vortäuschung der Arbeitsleistung sowie Verfälschung der Arbeitszeit. Dazu zählen beispielsweise falsche Angaben des Arbeitszeitbeginns und -endes. Das gilt auch für das Mitstempeln von oder für Kolleg:innen. Hinzu kommen kürzer erfasste Mittagspausen oder nicht protokollierte Raucherpausen. Außerdem fallen nicht arbeitsrelevante Beschäftigungen in die gleiche Kategorie, da nicht erbrachte Leistung fälschlicherweise entlohnt wird. Besonders im Homeoffice ist dies einfacher denn je. Ganz unberechtigt ist dieses Bedenken nicht: In einer 2024 vom Softwareanbieter Time Management Office (Timo) beauftragten Studie gaben 72 Prozent der befragten Beschäftigten zu, schon einmal private Angelegenheiten während der Arbeitszeit erledigt zu haben. 66 Prozent gestehen, Pausen nicht korrekt angegeben zu haben und 59 Prozent haben schon einmal die Zeit nicht richtig erfasst.

Stellen Arbeitgebende Arbeitszeitbetrug fest und können diesen beweisen, sind die Folgen verheerend. Im besten Fall kommt die erwischte Person mit einer Abmahnung davon. Da es sich jedoch um einen schwerwiegenden Pflichtverstoß handelt, kann es zu einer fristlosen Kündigung oder gar Schadensersatzforderung kommen. Aber wieso ist Arbeitszeitbetrug so geläufig? Der am häufigsten angegebene Grund sind laut der Befragten unvergütete Überstunden. Durch das Erledigen persönlicher To-Dos soll diese Ungerechtigkeit teilweise ausgeglichen werden. Weitere Ursachen entstammen besonders der Frustration über die Arbeitsbedingungen. Dazu gehört eine negative Arbeitsplatzkultur, wozu Unzufriedenheit mit dem Arbeitgeber, Überlastung, fehlende Anerkennung und unfair empfundene Bezahlung zählen. Arbeitszeitbetrug kann demnach als eine Form der Rebellion betrachtet werden. Dafür spricht auch der Fakt, dass es sich keineswegs um ein individuelles, sondern ein strukturelles Problem handelt.

Mehr Produktivität im Homeoffice trotz Arbeitszeitbetrug?

Interessanterweise stellt eine andere Studie des Frauenhofer IAO fest, dass die Produktivität der Mitarbeitenden der Technischen Krankenkasse im Homeoffice rund 20 Prozent höher als im Büro ist. Sie bearbeiten dort mehr Kundenanliegen und führen mehr Kundentelefonate. Doch wie ist das möglich, wenn über die Hälfte der Beschäftigen ihre Arbeitszeit anderweitig zu nutzen scheint? Eine mögliche Erklärung ist, dass es keine Ablenkung durch Unterhaltungen mit den Kolleg:innen gibt und Arbeitnehmende sich direkt und zügig ihren Aufgaben widmen können. Zudem kristallisierte sich heraus, dass das Homeoffice für konzentriertes Arbeiten bevorzugt wird, während fachlicher Austausch und Zusammenarbeit im persönlichen Kontakt besser funktionieren. Der Kipppunkt der Produktivität wurde demnach ab 60 Prozent Homeoffice-Zeit festgestellt.

Die zuvor erläuterte Studie gab an, dass zwei Drittel der deutschen Unternehmen einen wirtschaftlichen Schaden aufgrund von Arbeitszeitbetrug befürchten. Allerdings sind keine Angaben darüber zu finden, ob die Mitarbeitenden nicht trotzdem ihren Aufgaben gerecht werden, obwohl sie ihre Zeiten verfälschen. Die Ergebnisse der zwei Studien stehen demnach nicht zwangsläufig im Widerspruch. Natürlich ist dennoch klar, dass Arbeitszeitbetrug seitens der Mitarbeitenden unerwünscht ist.

Damit es nicht zur Eskalation zwischen Arbeitgebenden und -nehmenden kommt, ist die Prävention von Arbeitszeitbetrug durch klare Regeln und transparente Kommunikation notwendig. Arbeitgebende sollten klar und deutlich kommunizieren, welches Verhalten im Homeoffice angebracht ist und welches nicht. Schließlich zählt eine Unterhaltung mit Kolleg:innen auf dem Büroflur auch nicht sofort als Arbeitszeitbetrug. Digitale Zeiterfassungssysteme können hier eine Unterstützung sein. Außerdem können (regelmäßige) Schulungen hilfreich sein, in denen Arbeitnehmende über ihre Pflichten und Rechte informiert werden und ihr Bewusstsein für Fairness, Eigenverantwortung und Teamverhalten gestärkt wird. Generell gilt: In einer vertrauensvollen Unternehmenskultur ist die Besprechung und Lösung solcher Probleme konstruktiver und offener.

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