(C) TopPhoto, stock.adobe.com24.12.2025 ● Janika Schneider
Mitarbeitergeschenke im Check: Was ist erlaubt?
Ein kleines Dankeschön kann im Arbeitsalltag viel bewirken: eine Tafel Schokolade nach einer stressigen Woche, eine Flasche Wein zum Jahresabschluss oder ein Gutschein als Zeichen besonderer Anerkennung. Doch so schön diese Gesten auch sind, sobald Mitarbeitergeschenke im beruflichen Kontext auftauchen, schwingen oft Unsicherheit und rechtliche Fragen mit: Was ist eigentlich erlaubt? Und ab wann wird aus einer netten Geste ein ernstes Problem?
Warum Geschenke schnell heikel werden können
Mitarbeitergeschenke wirken auf den ersten Blick unkompliziert, doch in Unternehmen können sie deutlich mehr bedeuten als im privaten Umfeld. Schon der Wert oder die Art eines Geschenks kann Interessen- oder Loyalitätskonflikte auslösen. Auch Machtgefälle spielen eine Rolle: Erhält eine Person ein besonders großzügiges Präsent, könnte das als Versuch der Einflussnahme gedeutet werden.
Hier beginnt die sensible Zone zwischen Wertschätzung und möglicher Bestechung. Genau deshalb ist in Unternehmen vor allem eines entscheidend: Transparenz. Wer offen kommuniziert, dokumentiert und im Zweifel nachfragt, vermeidet Konflikte und schützt sich selbst wie auch die Firma.
Rechtlicher Rahmen: Was das Gesetz wirklich sagt
Ganz ohne Regeln geht es nicht. Der entscheidende Paragraf ist § 299 StGB. Er verbietet sowohl das Annehmen als auch das Anbieten von Vorteilen im geschäftlichen Verkehr, wenn diese als Gegenleistung für eine unlautere Bevorzugung oder eine Pflichtverletzung dienen. Anders gesagt: Geschenke dürfen keine Entscheidungen beeinflussen. Wer dagegen verstößt, riskiert Geldstrafen oder sogar bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.
Natürlich gilt das nicht für jede Schachtel Pralinen. Deshalb regeln viele Unternehmen den Umgang mit Mitarbeitergeschenken intern – etwa über Compliance-Richtlinien, Betriebsvereinbarungen oder Regelungen im Arbeitsvertrag. Unter dem Begriff Corporate Compliance versteht man die organisierte Einhaltung von Gesetzen, Standards und internen Regeln im Unternehmen. Solche Systeme sollen Risiken minimieren, Fehlverhalten verhindern und das Vertrauen von Kund:innen und Geschäftspartner:innen stärken.
Wichtig: Eine gesetzliche Obergrenze für erlaubt oder verboten gibt es im Arbeitsrecht nicht. In der Praxis haben sich jedoch Orientierungswerte etabliert, meistens zwischen 35 und 50 Euro. Besonders jedoch im öffentlichen Dienst gelten häufig strengere Vorgaben oder ein nahezu vollständiges Annahmeverbot.
Unproblematische Mitarbeitergeschenke
Kleine Aufmerksamkeiten gelten in der Regel als unbedenklich, jedoch nur solange sie im Rahmen bleiben und kein generelles Annahmeverbot besteht. Dazu gehören:
- Kugelschreiber, Schreibblöcke, Kalender
- Blumen, Süßigkeiten, Kaffee
- Geringwertige Werbegeschenke
Auch der Anlass spielt eine Rolle: Geburtstage, Weihnachtszeit, Jubiläen oder ein Dankeschön nach erfolgreich abgeschlossenen Projekten sind üblich. Dennoch ist es wichtig, den Wert, die Häufigkeit und den Kontext immer im Blick zu behalten.
Verbotene Zonen: Wo Geschenke riskant werden
Je größer ein Mitarbeitergeschenk ist und je näher es an einer Entscheidungssituation liegt, desto sensibler wird es. Besonders kritisch sind:
- Geschenke, die eine Entscheidung beeinflussen könnten
- Hochwertige oder persönliche Geschenke
- Luxusartikel
- Bargeld – grundsätzlich tabu
Solche Fälle können schnell als Bestechlichkeit ausgelegt werden. Im schlimmsten Fall drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur fristlosen Kündigung. Deshalb sollte man im Zweifel lieber einmal mehr bei der Führungskraft nachfragen oder das Geschenk höflich ablehnen.
Best Practices: So schenkt man richtig
Damit Wertschätzung nicht zur Stolperfalle wird, helfen ein paar einfache Regeln:
- Transparenz schaffen: Geschenk melden oder Rücksprache halten
- Team statt Einzelperson: Gemeinsame Geschenke vermeiden Bevorzugung
- Wertgrenzen respektieren: Im Rahmen bleiben
- Kommunikation klar halten: „Eine kleine Aufmerksamkeit – ohne Erwartung“
- Alternative Gesten nutzen: persönliche Karten, gemeinsames Frühstück, Dankbarkeit zeigen
Diese kleinen Maßnahmen sorgen dafür, dass Mitarbeitergeschenke positiv wirken, ohne dass jemand in Verlegenheit kommt.
Richtig angewendet können sie nämlich die Zusammenarbeit stärken und Wertschätzung ausdrücken. Gleichzeitig bewegen sie sich schnell in einem rechtlich sensiblen Bereich. Wer aufmerksam ist, interne Regeln kennt und im Zweifel nachfragt, kann sicherstellen, dass kleine Gaben auch wirklich das bleiben, was sie sein sollen: eine freundliche Geste ohne Hintergedanken.


