Search
Haupt-Navigation
Teilzeit-Krankschreibung

08.04.2025 Lena Hilbert

Teilzeit-Krankschreibung: Wie sinnvoll ist es?

Sich angeschlagen durch einen langen Arbeitstag quälen oder schon wieder fehlen – diese Entscheidung dürfte allen Arbeitnehmenden bekannt vorkommen. Doch dafür könnte es in Zukunft eine neue Lösung geben: die sogenannte Teilzeit-Krankschreibung. Aber was genau kann man sich unter ihr überhaupt vorstellen? Und wie sinnvoll ist sie?

Was ist eine Teilzeit-Krankschreibung?

Eine Teilzeit-Krankschreibung soll es angeschlagenen Beschäftigten ermöglichen, ihre Arbeit mit einer geringeren Anzahl an Stunden fortzusetzen – meistens zuhause im Homeoffice. Obwohl das Konzept bereits in vielen Ländern diskutiert wird, haben nur einige wenige es bisher umgesetzt. Dazu zählen zum Beispiel Schweden oder die Schweiz.

Was steckt hinter dem Vorschlag?

Auch in Deutschland wird aktuell mit dem Gedanken gespielt, die Teilzeit-Krankschreibung offiziell einzuführen. Den Vorschlag brachte ein Expertenrat des Bundestags, der sich mit gesundheitlichen Themen beschäftigt. Als Grund führte der Rat einerseits an, dass das Attest einen flexibleren und angenehmeren Arbeitsalltag schaffen würde. Außerdem könnten durch die Maßnahme einige Krankheitstage und damit auch wirtschaftliche Verluste eingespart werden.

Ist das Modell in Deutschland umsetzbar?

Ob die Teilzeit-Krankschreibung in Deutschland wirklich umgesetzt wird, ist noch unklar. Das liegt vor allem daran, dass das neuartige Konzept sehr umstritten ist. Für die Teilzeit-Krankschreibung sprach sich neben dem Expertenrat auch Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, aus. Ihm zufolge könne das Modell den digitalen Arbeitsmöglichkeiten von heute Rechnung tragen und für mehr Flexibilität sorgen.

Andere betrachten den Vorschlag hingegen eher kritisch. Viele davon berufen sich dabei auf ein Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums, das im Jahr 2018 erstellt wurde. Darin kam das Gericht zu dem Schluss, dass das ärztliche Personal nur schwer einschätzen könne, wie krank sich jemand fühle und welche Auswirkungen das auf die Arbeitsfähigkeit habe.

Teilzeit-Krankschreibung: Das sind die Vor- und Nachteile

Ob eine Teilzeit-Krankschreibung wirklich sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Berufsfeld ab. Lohnen würde sie sich vor allem in Jobs mit wichtigen Deadlines, die nicht aufgeschoben werden können. Angeschlagene Arbeitnehmende könnten so ihre wichtigsten Aufgaben erledigen und verhindern, dass ein kompletter Arbeitsausfall zu einer erhöhten Stressbelastung führt.

Allerdings besteht auch das Risiko, dass Arbeitgebende durch eine Teilzeit-Krankschreibung vermehrt Druck auf ihre Angestellten ausüben und sie zum Arbeiten drängen. Dies ist besonders dann problematisch, wenn kranke Mitarbeitende dringend Ruhe und Erholung benötigen. Falls das Konzept eingeführt wird, sollten Beschäftigte also gründlich abwägen, ob eine Teilzeit-Krankschreibung einer raschen Gesundung im Weg steht.

Passende Blog-Artikel

Julia Kemmer und Lisa Scherer

Shared Leadership: Wenn sich zwei Führungskräfte einen Job teilen

Führung in Teilzeit? Für viele Unternehmen klingt das noch immer nach einer organisatorischen Herausforderung. Doch Shared-Leadership-Modelle eröffnen neue Wege der Vereinbarkeit.
News/Aktuelles
Frau und Mann am Schreibtisch. Mann mit deutlich mehr Geldscheinen am Grinsen.

Mit Kolleg:innen über Gehalt sprechen: Darf ich das?

In Deutschland gilt vielleicht der Grundsatz: “Über Geld spricht man nicht”. Aber es ist keineswegs verboten, sich mit seinen Kolleg:innen über das Gehalt auszutauschen.
News/Aktuelles
Das Bild zeigt eine Gruppe von Menschen in einem Büroraum, die an einem Tisch sitzen und sich über mögliche Ansätze für flache Hierarchien beraten.

Flache Hierarchien etablieren: So klappt es wirklich

Flache Hierarchien erfolgreich umsetzen – Mythos oder wirklich machbar? Das müssen Unternehmen vorher beachten.
News/Aktuelles